Drei-Länder-Treffen in Neuengrün 25.05.2019

DLT2019Zu einem Wandertreffen der besondern Art entwickelte sich das Drei-Länder-Treffen, bei dem sich jährlich einmal Wanderer aus den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Bayern zusammen finden. Ausrichter des 25. Jubiläumstreffens war der Frankenwaldverein in Wallenfels, der in den Saal des Dorfwirtshauses Hildner im Ortsteil Neuengrün eingeladen hatte. Fast 120 Wanderfreunde waren der Einladung gefolgt und füllten den Saal bis auf den letzten Platz. Stand am Anfang der Treffen noch die Grenzöffnung im Vordergrund, so ist es heute die Pflege freundschaftlicher Bande.

Es heißt ja immer, "Wandern verbindet". Dieser Gedanke muss es auch gewesen sein, der im Jahr 1990 unmittelbar nach der Wende in der ehemaligen DDR dem Wanderfreund Heinz Schlegel in den Sinn gekommen sein muss. Schlegel, der heute noch die Wanderabteilung des Heimatvereins "Silberwäsche" Antonsthal im Erzgebirge leitet, kam zur Stippvisite „in den Westen“, wie er es damals nannte. Er suchte nach einem Wanderverein in Oberfranken, um mit diesem eine freundschaftliche Partnerschaft zu gründen. Wie es der Zufall wollte, traf er in Wallenfels vor dem Kulturzentrum auf den einheimischen Helmut Buschmann, der ihn sofort mit offenen Armen empfing und noch am selben Tag einen Kontakt zu den Samstagswanderern des Wallenfelser Frankenwaldvereins, mit ihrem Präsidenten Albin Förner an der Spitze, herstellte. Kaum einer hätte sich träumen lassen, dass sich daraus eine langanhaltende und tiefe Freundschaft entwickeln sollte. Es gab fortan zahlreiche gemeinsame Wanderungen, am meisten faszinierte die Erzgebirgler aber die Geselligkeit und Sangeslaune, die in Wallenfels gelebt wurde. Im Jahr 1995 wurde schließlich die Idee geboren, die freundschaftliche Verbundenheit unter mehreren Gruppierungen zu einem gemeinsamen Wandertreffen zusammen zu führen. Folgende Vereine aus drei verschiedenen Bundesländern schlossen sich zusammen und begründeten das mittlerweile zur Tradition gewordene Drei-Länder-Treffen: Heimatverein "Silberwäsche" Antonsthal im Erzgebirge/Sachsen, Frankenwaldverein Blankenberg/Thüringen, Thüringerwald-Verein Lauscha/Thüringen und den Frankenwaldverein Wallenfels/Bayern. Neben den genannten Albin Förner und Heinz Schlegel war es Dr. Rudolf Schmidt der sich für den Zusammenhalt der Vereine stark machte. Das erste und heute noch als legendär beschriebene Treffen dieser Gruppen fand im Herbst 1995 im Saal des Gasthauses Sommerkeller in Wallenfels statt. Nur wenig später stieß auch der Frankenwaldverein Dürrenwaid/Bayern hinzu. Diese nunmehr fünf Wandervereine kamen jährlich einmal im Wechsel zum gemeinsamen Wandern und Musizieren zusammen. Der Ablauf ähnelte sich sehr: man traf sich am späten Vormittag, wanderte in der Umgebung des Veranstaltungsortes und dem folgte ein geselliger Nachmittag, bei dem sich Musiker, Sänger und Künstler aus den anwesenden Ortsgruppen einbrachten. Breit gefächert waren die Instrumente, die zum Einsatz kamen. Von Konzertina, über Schifferklavier, Zither, Gitarre, Mundharmonika und Teufelsgeige war alles vertreten. Es wurden gemeinsam Heimat- und Wanderlieder gesungen, humorvolle und witzreiche Anektoden erzählt und Künstler sowie Karnevalsvereine aus den jeweiligen Regionen gestalteten die Treffen wunderbar mit. Diesmal waren es die "Sorger Boum", die unter Leitung von Roland Reuther als erfolgreiche Wirtshausmusikanten ihr Publikum in den Bann zogen. Lars Fischer an der Steirischen und Gerhard Köcher an der Zither ernteten ebenfalls großen Beifall. Aber auch die Gesangseinlagen von Charles Deckelmann, Kurt Butler und Karl-Heinz Tresselt gefielen den vielen Gästen. Bevor man aber zum geselligen Teil übergehen konnte, wurde bei zwei geführten Wanderungen gemeinsam die Landschaft um Neuengrün erkundet. Ludwig Dietz von der Kirchenverwaltung Neuengrün erläuterte den Wanderern die Historie des wunderschönen Rundangerdorfes und seiner Wallfahrtskirche "Mariä Himmelfahrt".

Das positve an den alljährlichen Treffen ist die Tatsache, dass aus Fremden nunmehr Freunde geworden waren, so der Wallenfelser Obmann Jürgen Schlee. In den ersten Jahren waren die Begegnungen von der überwundenen Trennung der beiden deutschen Staaten geprägt. Man konnte neue Menschen und neue Regionen kennen lernen, die jahrzehntelang unerreichbar galten. Männer mit dem Wandergen haben die Grundlage für die länderübergreifende Freundschaft gelegt. Wohl nirgends mehr gibt es nach so langen Jahren so eine enge innere Verbundenheit zwischen Wanderfreunden verschiedener Bundesländer. Bürgermeister Jens Korn sprach von der Einheit, die man im Großen und wie hier, im Kleinen erleben könne. "Wir dürfen uns als Deutsche glücklich schätzen, die friedliche Wiedervereinigung als hohes Gut sehen zu dürfen", so Jens Korn. Zum Jubiläumstreffen überreichte er seitens der Stadt Wallenfels hölzerne Erinnerungsteller aus dem Frankenwald. Auch der stellvertretende Hauptvorsitzende des Frankenwaldvereins, Josef Daum, knüpfte an die Gedanken seines Vorredners an. Die Treffen seien Grundlage für gegenseitiges Verständnis und den Austausch über Landesgrenzen hinweg. Sein Dank galt den vielen Akteuren, die die Tradition der Wandertreffen aufrecht erhalten. Die Vertreter der beteiligten Vereine würdigten ebenfalls die friedliche und freundschaftliche Verbundenheit, die über die Jahrzehnte gewachsen sei.

Trotz aller Freude, bleibt ein kleiner Wermutstropfen: In den letzten Jahren, nicht zuletzt auch wegen des immer höher werdenden Altersdurchschnitts der Teilnehmer, nahm die Zahl der Gäste ab. Es wurde auch immer schwieriger, mit den eigenen Mitgliedern die arbeitsintensiven Treffen auszurichten. Aus diesen Zwängen heraus verließ im Jahr 2017 der Thüringerwald-Verein Lauscha das Quintett. Bei den verbleibenden vier Vereinen wurde eine Fortführung der Treffen diskutiert und man hat sich zumindest für die kommenden Jahre entschieden, die Treffen fortzuführen. Man respektiert aber auch, dass der Generationenwechsel in den beteiligten Ortsgruppen irgendwann einer Fortsetzung der Tradition hinderlich sein wird. Junge Familien leben ihre Freizeit nach anderen Regeln. Das Denken über die Teilung Deutschlands ist längst verdrängt und das Miteinander aller Deutschen ist in der Gesellschaft zur Normalität geworden. Es bleibt aber mit Genugtuung die Feststellung, dass die letzten 25 Jahre einen wichtigen Anteil zum Zusammenwachsen der Menschen in unserer Heimat beigetragen haben.  Voraussichtlich wird das nächste Treffen im Jahr 2020 in Blankenberg stattfinden.



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